25.01.2012 20:00 Von: Anton P. Tschechow

ONKEL WANJA

Premiere 25. Jänner 2012


"Szenen aus dem Landleben" nannte Tschechow anno 1896 dieses Stück, das so einfach wie symbolhaft ist. Sonja und ihr Onkel Wanja bekommen Besuch auf dem Gut, das sie seit dem Tod von Sonjas Mutter aufopferungsvoll verwalten: Der Gatte der Verstorbenen, ein berühmter und verehrter Professor, ist mit seiner neuen jungen Frau zur Erholung aus der Stadt angereist. Er ist ein berüchtigter Hypochonder und bekannt dafür seinen Launen freien Lauf zu lassen. Nur selten bis gar nicht lässt er sich blicken und schickt dafür seine betörend hübsche junge Gattin Jelena vor. Der alte Wanja liebt Jelena ohne Aussicht auf Erfolg. Und die wiederum verliebt sich - mit Aussicht auf Erfolg - in Astrow, einem Arzt und Umweltaktivisten. In den hat sich aber auch Sonja verschaut. Und als Wanja und Sonja dahinter kommen, dass der Professor das Gut verkaufen will und sie erkennen, dass sie die letzten 25 Jahre einem Irrtum gedient haben, wird es heiß - im russischen Sommer...

Mit: Melanie Katja Schneider, Eva Maria Faßhuber, Petra Stock, Dirk Küpper, Hans T. Tafner

Regie/Raum: Peter Faßhuber

Pressekritiken:



"Unmissverständlich missverständlich geht die Sonne über "Onkel Wanja" im THEO nicht auf. Peter Faßhuber inszeniert den Impressionismus Tschechows als fragwürdige Komödie.  Durch das Stück tropft Faßhubers Tribut an das Jetzt, atemberaubende Formulierung wie "wo statt Menschen nur graue Flecken vorüberziehen" müssen sich mit einem "finita la comedia" die Bühne teilen. Stock singt Freddy Quinn und "Sag mir, wo die Männer sind". Gut, aber hoffnungslos. Wer sagt uns, wo in dieser Oberzeiringer Interpretation russischen impressionistischen Theaters die Komödie ist? Aber irgendwann kommt Stock. Petra Stock. Als Maria Wassiljewna Wojnizkaja liefert sie mit eingefatschtem Knie und Stock die wohl liebenswerteste Einlage des Abends, welche tatsächlich große komödiantische Spielkunst aufblitzen lässt...(B.Oberrainer, Kleine Zeitung vom 27.1.2011)

 

"Und immer, immer wieder geht die Sonne auf in Peter Faßhubers Inszenierung von "Onkel Wanja". Er hat Anton Tschechows Klassiker gestrafft, ihm ein paar Schlager-Spritzen verpasst und lässt auch Momente des Humors zu. Das Landleben ist öd und ausweglos, doch in Faßhubers Inszenierung haben sich die Ländler ganz gut arrangiert: Man arbeitet, trinkt, verliebt sich unglücklich, bekämpft die Hitze des Sommers und die Kältedes Winters. Das THEO Team beeindruckt einmal mehr..." (C.Hartner, Kronenzeitung vom 30.1.2012)

" Peter Faßhuber überzeugt mit seiner Sicht von "Onkel Wanja" im THEO. Er setzt mit dieser Arbeit auf Reduktion, Verknappung, bewusst auch auf musikalischen Stilbruch. Kreidegeschriebene Regieanweisungen bilden auf der schwarzen Bühnenwand ein Muster. Im Tor stehen die Akteure in Wasserbehältern. Wischen sich über die Stirn, fächeln, verscheuchen imaginäre Mücken. Monoton singt "sonja" den Udo Jürgens Song "Und immer wieder geht die Sonne auf", leitet damit ins Stück durch das sich Hans T. Tafner als "Onkel Wanja" von melancholisch bis zur explosiv zornigen Eskalation und schließlich Resignation schleppt. Als seine Mutter, gehbehindert, mit spitzen, bissigen Kommentaren - und unvermutet plötzlich neben den anderen ein Tänzchen wagend - unvergleichlich Petra Stock. Dirk Küpper überzeugt als den Frust mit Alkohol bekämpfender Arzt Michail Astrow, dessen Interesse Jelena, der hübschen, frustrierten, jungen Frau des alten Professors - hervorragend besetzt mit Melanie Katja Schneider - gilt. Und die fleißige, laut Drehbuch unattraktive Sonja (so gesehen ist die perfekt agierende Eva-Maria Faßhuber eine Fehlbesetzung) verzehrt sich nach dem Arzt Astrow. Schließlich ein Ende mit Heizstrahlern und Winterbekleidung aus der kreidebamalten Requisitenkiste...(H.G. Ainerdinger, MZ vom 2.2.2012)

"Dramatisch hochprozentiges "Onkel Wanja" Destillat in Oberzeiring! Das THEO ist so etwas wie ein Stadttheater am Land. Ein guter Ort also für "Onkel Wanja", weil Peter Faßhuber als großer Fan der russischen Dramatik gilt. Genau das abe rist auf den ersten Blick dem Abend kaum anzumerken. Das berühmte Stück wird auf sein dramatorgisches Skelett reduziert, das eine Komödienhandlung vorgibt, die bald in der Trostlosigkeit der russischen Provinz versickert. In Fasshubers Regie werden die Leerstellen, die nach radikalen Strichen klaffen, mit fröhlichen Songs von Udo Jürgens & Co und anderen Zitaten der Spaßkultur gefüllt. Er führt den Stoff damit zurück zu seinem komödiantischen Ursprung und erhöht so die Fallhöhe: vom Lachen zur Langeweile, vom Witz zum Weinen. Das bewunderndswerte Ensemble spielt Tschechow pur, während die Regie locker flockige Unterhaltung auf ihr Depesssionspotenzial testet. Ein erstaunlicher Abend! (H. Götz, Der Falter, 3.2.2012)

 


 


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